Texte

Liebe Künstler*innen und Kuturschaffende rund um und im Schlachthofviertel,

seit meinem Studium der Bildhauerei in Wien lebe und arbeite ich in München Sendling.

Spätestens seit dem Abriss des denkmalgeschützten Osramgebäudes, (von den Architekten Henn und Ströbel erbaut) und dem Verschwinden aller Bäume auf dem Gelände, fühle ich mich als bildende Künstlerin in der Pflicht, Zeichen gegen diese Art von ziemlich brutalem Stadtumbau, Verdichtung und Naturzerstörung zu setzen.

Mit dem Ausstellungs- und Kommunikationsprojekt im Juli 2020, VERDICHTUNGEN_EIN STADTGESPRÄCH 2020, Beschreibung möchte ich die Kulturschaffenden, Künstler*innen, Grünaktivisten und interessierte Bewohner des Schlachthofviertels, Sendling und Isarvorstadt erreichen.

Ziel ist es „einen Fuß in die Tür“ beim Umbau des Viertels zu bekommen.

Der Ort: Der Südbahnhof und die Viehhallen prägten lange den Alltag rund um die Zenettistraße.Türkische Familien züchteten zwischen stillgelegten Geleisen Zuckermais. Proberäume und Kneipen wie die „Gruam“ oder das „Substanz“ dampfen, Tatortszenen werden in der Tumblingerstrasse abgedreht. Hier kann München noch knistern. Die „Alte Utting“ schwebt auf der Eisenbahnbrücke, regelmäßig hängen zu hohe Laster an der Brücke Isartalstrasse fest, das

Gasteiginterim kommt und nun das Volkstheater.

„Hobbygärtner, die Blumen und Gemüse züchten, wo sich nur ein paar Meter entfernt Graffiti-Sprayer austoben. Genießer, die im Freien teuren Wein zur italienischen Pasta schlürfen, während nur einen Steinwurf entfernt Rinder geschlachtet werden und die Luft nach Exkrementen und Blut riecht. Und man hat hier auch schon Porsches neben einem Misthaufen an der Lkw-Desinfektionsanlage parken sehen. An keinem Ort der Stadt sind so viele Gegensätze vereint, wie am alten Viehhofgelände im Schlachthofviertel. An keinem anderen Flecken Münchens herrscht eine ähnlich lässige Atmosphäre und kreative Spannung, die sowohl von den Anwohnern als auch von Jugendlichen und Junggebliebenen aus der ganzen Stadt geliebt wird.“ (Zitat Andreas Schubert SZ).

 

Zur Geschichte: Der Vieh- und Schlachthof München wurde von 1876 bis 1878 nach den Plänen des Stadtbaurates Arnold Zenetti errichtet. Nach den Bombardements von 1943-45 wurden viele Hallen in den 50ger Jahren ersetzt. So entstand eine besondere Stil- und Gebäudemischung die den „Bauch von München“ ausmacht. Eine Bezeichnung der Münchner für die Gegend um die Betriebe Großmarkthalle und Schlachthof in den Stadtbezirken Sendling und Isarvorstadt.

 Das Areal ist in städtischem Besitz. Es hat viele Freiflächen, tolle Hallen und

außergewöhnliche Bürogebäude aus den 50ger Jahren.

Das Kunstprojekt VERDICHTUNGEN_EIN STADTGESPRÄCH 2020 sucht und entwickelt Antworten aus der Sicht der Künstler*innen und Kulturschaffenden vor Ort. Es definiert das Viertel als zukünftigen Ort der Künste und der Kreativität.

 

Ich möchte Euch/Sie um Mitarbeit bei der Erarbeitung eines

Fragenkatalogs an Gesellschaft und Politik bitten.

 

Gibt es konkrete Antworten zu Fragen wie:

Wie können Künstler*innen auch im zukünftigen Viertel sichtbar sein?

Wo bleiben historische Hallen und Räume für die Arbeit der Künstler*innen erhalten?

Wie können neu entstehende Grünzonen in der gentrifizierten Stadt von   Künstler*innen entwickelt werden?

Wie kann Arbeiten und Wohnen nachhaltig verbunden werden?

Wie sieht der Umbau nach dem shut down aus und gibt es überhaupt dann noch

Finanzierungsmögichkeiten für Großprojekte?

Sollte der Stadtrat beschließen kleinere nachhaltige Gestaltungen zu fördern und so die Kunst als produktive Kraft wieder in München zu stärken?

Ist die kleinteilige und gemischte Bebauung in Abschnitten und mit unterschiedlichen Bauherren realisierbar?

Wir müssen unser Viertel wieder neu denken und trotz Abstandsregelungen kreativ besetzen.

Bitte senden Sie  mir Ihre/Eure Anregungen und Fragen und bleibt gesund

 

Anhang: siehe auch www.nele-stroebel.de

Filme zu: Resilienz, Arbeiten zu Coronazeiten

und: http://resilienz80337-nelestroebel.de/

Die geplante Arbeit von Nele Ströbel ist eine Art Stadt_Gespräch:

Mit zeichnerischen, medialen und plastischen Mitteln werden modellhafte Stadterkundungen erschaffen. Es werden Utopien entwickelt die Erfahrungsräume haptisch und optisch erlebbar machen und einen schöpferischen Zugang zu den Konflikten verdichteter Städte ermöglichen.

 

Post Scriptum nach Corona, das Kunstprojekt wird gerade digital/ virtuell umgesetzt:

 

Neben der Ausstellung der Kunstwerke zum Thema von Sybille Rath (Zeichnung), Jana Sophia Nolle (Fotoarbeiten) und meinen Installationen werden auch die Ergebnisse unserer künstlerischen Stadterkundungen, partizipatorischen Aktionen mit Gästen, Bewohnern und Entscheidern und die Dokumentationen unserer Interventionen und Performances geteilt und präsentiert.

Das Kunstprojekt VERDICHTUNGEN_EIN STADTGESPRÄCH 2020

schwärmt  in den öffentlichen Raum vor dem Schlachthof, zum Bauplatz des

Volkstheaters und zu Orten der freien Szene des Viertels aus.

Das diskursive Projekt mit namhaften Architekt*innen liefert eine Plattform für Interventionen und künstlerische Stellungnahmen zur aktuellen Debatte über Besitz, Nutzung und Teilhabe am Stadtraum.

Es soll unmittelbar im öffentlichen Raum stattfinden und virtuell kommuniziert werden.

 

Es sind modellhafte Szenarien wie

  1. eine Boden- Wandinstallation zu „grünen Taschen“ und deren Umsetzung in Falt und Klappobjekte geplant.
  2. Ein Entwurf zum nachhaltigen Wassermanagement im Stadtraum
  3. und künstlerisch gestaltete Orte zum Schutz gegen Sonne und Starkregen sollen entwickelt werden.

 

Im Rahmen der Ausstellung „VERDICHTUNGEN_EIN STADTGESPRÄCH 2020“

sind darüber hinaus schöpferische, investigative und performative Beiträge von bildenden Künstler*innen aus Bayern zum „Stadt-Leben 2.0“, zwischen Spekulation, Gentrifizierung und neuen Formen der Urbanität geplant.

 

Die Ausstellung wird aufgebaut, abgefilmt mit Moderation und fotografiert.

Es handelt sich um einen Termin in der ersten Julihälfte.

 

Boa Video interviewt mich vor der Ausstellung mit dem Einkaufswagen voller verpackter Kunstwerke zum Projekt.

 

Dann werden  die Kunstwerke ausgepackt, aufgebaut, die Fotos und Zeichnungen aufhängt, eine Ausstellungsführung für die Kamera (wie die Serie „allein im Museum“ auf YouTube) produziert.

 

Alle Beteiligten tragen Masken, Desinfektionsmittel ist vorhanden und der Mindestabstand von 1,50 m wird gewahrt.